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18.03.2016 | Betroffenenberichte

Bürojob inklusive Beschimpfungen und Axtangriff

Jeden Tag seine Arbeit machen und sich nicht dafür schämen müssen – das scheint eigentlich wie das Normalste von der Welt. Doch manche müssen sich ein dickes Fell zulegen, um in ihrem Job im Öffentlichen Dienst noch klar zu kommen. Hier lest ihr, warum das bei der Arbeit im Beitragsservice nötig ist und welch haarsträubende Dinge dort passieren.

 

Als die Gebühreneinzugszentrale ihren Namen in Beitragsservice änderte, da ging es darum, einen freundlicheren Begriff für das zu finden, was eigentlich gleich bleibt: Geld einzuziehen für die Angebote des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Diese Rundfunkbeiträge sind gesetzlich verankert. „Wir behalten das Geld nicht für uns, sondern sind ähnlich wie ein Finanzamt in Sachen Steuern nur dafür da, diese Beiträge einzuziehen und an die entsprechenden Anstalten zu verteilen“, erklärt Steffi Klein, die dort arbeitet.

 

Doch mit diesem Job hat man nicht nur Freude. Sie kennt die Anrufe, mit denen Mitarbeiter des Beitragsservice täglich konfrontiert sind. An die breite Masse der Beschimpfungen können sich viele im Beitragsservice gar nicht mehr erinnern.

 

Beleidigungen, Beschimpfungen und sogar Gewaltandrohungen sind beinahe Normalität für die Beschäftigten dort. „Manchmal droht man uns an, uns zu Hause aufzulauern. Man kenne sich ja dank der Sozialen Medien, lassen manche Anrufer süffisant fallen“, erzählt sie uns. Ihnen scheint egal zu sein, was sie damit bei den Beschäftigten auslösen. Manche fahren wegen anfallender Beiträge oder Nachfragen seitens der Behörde dermaßen aus der Haut, dass sie den Mitarbeitern an den Kopf werfen: „Sollen doch alle Mitarbeiter des Beitragsservice metastasierenden Darmkrebs bekommen!“

 

Einen solch rüden und verletzenden Umgang kennt die junge Frau aus ihrem vorangegangenen Beschäftigungsverhältnis in einer Anwaltskanzlei nicht. Als sie sich beim Beitragsservice bewarb, tat sie das aus tiefer Überzeugung. Schon lange spielte das Unternehmen in ihrem Leben eine Rolle, denn auch ihre Mutter arbeitet dort. „Als Kind habe ich früher schon in der unternehmensinternen Kinderbetreuung gesessen“, erzählt sie.

 

Wenn die Frage nach dem Beruf zum Partykiller wird

 

Doch trotz ihrer engen Bindung an das Unternehmen wischt sie manche Sachen nicht so einfach weg. Manche überlegen sich, ob sie auf privaten Feiern am Wochenende auf die Frage „Und wo arbeitest du?“ überhaupt wahrheitsgemäß antworten sollen. Das nämlich kann der Garant für eine Sendepause sein. Partystimmung mag danach manchmal keine mehr aufkommen. Steffi Klein regt das auf. „Ich möchte mich nicht für meine Arbeit schämen müssen, denn ich stehe dahinter und mache sie gerne“, sagt die junge Frau empört. Wer in so einem Job klar kommen will, der braucht – wie in vielen anderen Bereichen des Öffentlichen Dienstes – mittlerweile ein dickes Fell. „Man darf das nicht an sich ran lassen“, so Steffi Klein weiter. Sie kann manches besser wegstecken, wenn sie versucht, ihr Gegenüber zu verstehen. Ungeschehen macht das allerdings nichts.

 

Attacke mit der Axt – trauriger Hass-Höhepunkt

 

Einen Höhepunkt erreicht das Maß an Abscheu, das den Beschäftigten von außen entgegengebracht wird, in einer Aktion vor Weihnachten 2014. Ein Mann war auf das umzäunte Gelände des Beitragsservice vorgedrungen. In einem Internet-Blog dokumentierte er, wie er gerade auf das Gelände gelangt und dort Farbbomben versteckt. Am nächsten Tag stürmte er mit einer Axt bewaffnet und unter einer Sturmhaube verborgen ins Gebäude. In diesem Fall kamen die Beschäftigten glücklicherweise mit dem Schrecken davon. Doch Angst und Sorge bleiben in den Köpfen.

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