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Bonn erhält Auszeichnung "TOP Corporate Health Project"
20.03.2019 | Gute Ansätze

Auszeichnung für Sicherheitskonzept in Bonn

Massive Bedrohungen und tätliche Übergriffe haben zugenommen – eine Feststellung, die die Stadt Bonn dazu veranlasste, etwas zu tun. Ihr Sicherheitskonzept wurde Ende 2018 als „TOP Corporate Health Project“ ausgezeichnet. In Bonn ist man stolz auf diese Auszeichnung – aus mehreren Gründen.

 

Polizeieinsätze in der Sozialverwaltung oder im Ausländeramt, bespuckte Rettungsdienste – das sind Zwischenfälle, an die sich der Personalratsvorsitzende der Stadt Bonn, Christoph Busch, noch rege erinnern kann. Derartige Zwischenfälle kamen immer häufiger in den Personalversammlungen zur Sprache. Besonders in Bereichen mit häufigem Kundenkontakt und im Außendienst beobachtet auch Oberbürgermeister Sridharan häufiger Aggression und Gewalt.

 

Manche Notsituation bringt eigene Dynamik mit sich

 

Warum das so ist, darüber rätselt man auch in Bonn. Einer der Erklärungsversuche: „Unsere Stadtverwaltung wird jeden Tag von vielen Bürgern aufgesucht, die sich zum Teil in Notsituationen befinden“, sagt Ashok Sridharan. Aus solchen Situationen können sich negative Dynamiken ergeben, sagt er. Das beobachtet man in vielen Kommunen. Doch in Bonn hat man dem etwas entgegengesetzt.

 

Im März 2017 unterzeichneten dort der Oberbürgermeister gemeinsam mit dem Stadtdirektor und dem Personalrat die sogenannte „Null-Toleranz-Erklärung“, eine Grundsatzerklärung, mit der sich die Stadt dazu verpflichtet, eine gewaltfreie Arbeitsumgebung zu schaffen. Im Sommer dann folgte die Einführung eines umfassenden Sicherheitskonzeptes.

 

So geht man in Bonn mit Übergriffen um

 

Die Kernpunkte: „Wir haben Handlungsempfehlungen, Hinweise für den Notfall und einen Meldebogen ausgearbeitet“, sagt Sridharan. Sollte es zu einem Vorfall oder einem Übergriff jeglicher Art kommen, bei dem sich jemand unwohl fühlt oder sogar körperlich angegriffen wird, ist seitdem die Stabsstelle Gesundheit beim Personal- und Organisationsamt Ansprechpartner. Von dort kommt unmittelbar Hilfe. Diese kann vom Hausverbot bis hin zum Einschalten der Polizei und Strafanzeigen reichen, sagt der Oberbürgermeister. Auch Personalratsvorsitzender Busch bestätigt: „Alle Übergriffe werden nun zur Anzeige gebracht.“

 

Zudem fester Bestandteil: Präventivseminare zum Umgang mit Gewalt sowie Sicherheitsmaßnahmen in den Dienstgebäuden. Bauliche Maßnahmen wie Glaswände wurden realisiert, Notfallknöpfe wurden installiert. Kontrollen mit Handscannern sind in sensiblen Bereichen zur Normalität geworden. „Wir hatten wegen der zunehmenden Polizeieinsätze in der Verwaltung zunächst über Sicherheitsschleusen nachgedacht“, sagt Busch. Doch dann entschied man sich mit den Handscannern für einen Kompromiss. Denn im Vordergrund steht in Bonn immer der Gedanke der bürgerfreundlichen Verwaltung. Trotz Schutzbedürfnis wünschen auch die Mitarbeiter nicht, in abgeschirmten Hochsicherheitstrakten zu arbeiten.

 

Auch Bürger fühlen sich wohler mit mehr Sicherheit

 

Die Resonanz der Bürger auf die sicherheitsrelevanten Neuerungen sei insgesamt vollkommen positiv, weiß Busch zu berichten. „Wir hatten Amoklaufdrohungen. Vor diesem Hintergrund fühlen sich auch die Bürger selbst nun sicherer“, sagt der Personalratsvorsitzende. Nicht nur die Beschäftigten haben das Gefühl, dass etwas getan werde. Die von der Stadt getätigten Investitionen im siebenstelligen Bereich sind für jeden sichtbar geworden.

 

Neuerungen gibt es beispielsweise auch im Ordnungsaußendienst: Die Ordnungsamtsmitarbeiter sind mit Allzweckstöcken ausgestattet worden, wie sie auch von der Polizei benutzt werden. Sie dürfen zum Selbstschutz eingesetzt werden. Allein das Erweitern der Ausrüstung um dieses Utensil zeigt deeskalierende Wirkung – auch ohne ihren Einsatz.

 

Für die Umsetzung eines solch umfangreichen Maßnahmenpakets wurde der Stadt Bonn nun im Rahmen der Verleihung des „Corporate Health Awards“, einer der renommiertesten Preise im Bereich des betrieblichen Gesundheitsmanagements, die Auszeichnung „TOP Corporate Health Project“ verliehen. In Bonn ist man nicht nur auf diese Auszeichnung stolz, sondern sieht laut Busch die Bemühungen rund um den Schutz der Mitarbeiter auch von anderer Warte her positiv: „Wir finden, es ist ein Wettbewerbsvorteil für die Stadt Bonn im Vergleich zu anderen Kommunen.“

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